15.09.2015

newspaper-1075797Hier habe ich einen Beitrag gefunden, den ich bereits am 15.09.2015 aufgesetzt habe. Ich möchte ihn dennoch posten, da er nach wie vor ein Thema behandelt, das immer noch aktuell ist. 

15.09.2015

An diesem Tag durfte ich etwas Seltenes erleben: ich habe einem Flüchtling, der mit seiner Familie in den Ort versetzt wurde wo ich arbeitete, die Haare geschnitten. Schon als er reinkam fand ich ihn sehr sympathisch und durfte erfreut feststellen, dass er perfekt englisch sprach. Was mir im Übrigen auch zugute kam, denn auch ich konnte meine Sprachkenntnisse etwas aufpolieren. Ich durfte feststellen, dass dieser junge Syrer ein sehr intelligenter Mensch ist, der sogar auf einer Universität war und studiert hat. Er ist hier mit seiner Schwester und seiner Frau, sein Bruder ist nicht hier und seine Eltern sind noch in Syrien. Vor 2 Tagen begannen sie deutsch zu lernen, jedoch hatten sie erst mit dem Alphabet begonnen. Er war wie ich ein sprachbegeisterter Mensch und freute sich darauf deutsch zu lernen. Mich beeindruckte vor allem seine Aussage: Wir sind nur hier um in Frieden leben zu können! Sollte das nicht jedermanns gutes Recht in diesen Zeiten sein? Nun mal davon abgesehen, dass ich mich diesem ganzen Flüchtlingsdramapanikmacheabschiebedings niemals angeschlossen und mir lieber eine eigene Meinung gebildet habe. Mir haben diese Menschen nichts getan, warum sollte ich ein Problem mit ihnen haben? Wir sind im Grunde alle gleich, ja um nicht zu sagen: Wir scheißen alle in den gleichen Pott! In Zeiten der Globalisierung und unendlichen Möglichkeiten, Aus- und Einwanderungen und sozialen Netzwerken, sollten wir da nicht schon viel weiter sein als noch zu Dritte Reich Zeiten? Es spielt keine Rolle WO wir leben, denn wir alle müssen mit den möglichen Konsequenzen unserer Entscheidungen leben, welche auch immer das sein mögen! Wer zur Hölle hat behauptet ALLE Flüchtlinge würden stehlen, uns Arbeitsplätze wegnehmen und auf Kosten von Vater Staat leben? Hat schon einmal jemand die Frage gestellt, WIE sich diese Menschen fühlen, WAS sie alles erlebt und durchgemacht haben? Ob sie ihre Heimat überhaupt verlassen wollten? Ob sie eine Wahl hatten?

Dieser eine Kunde hat mich in meiner Sicht nur noch bestärkt, was dazu führte, dass ich ihm letztendlich auch meine Hilfe anbot bei Problemen mit der Sprache beispielsweise. Freudestrahlend und zufrieden verließ er den Salon, wie jeder andere Kunde eben auch. Doch ein Satz blieb mir im Gedächtnis, da er mich ungemein schockiert hatte: In Syrien gibt es viele Menschen, die glauben, dass Adolf Hitler der Bevölkerung einen großen Dienst erwiesen hat.

Um Himmels Willen, kannten sie denn überhaupt die Geschichte? Ich erklärte ihm, wer Hitler war, was er wirklich getan hatte und wie tatsächlich alles abgelaufen war. Er war schockiert, das hätte er nicht gewusst.

So und jetzt stelle ich allen die Frage: Ist das nicht genau das selbe wie wenn ich mir eine vorgefertigte Meinung über Menschen bilde, die ich überhaupt nicht kenne? Deren Geschichte ich nicht kenne? Deren Beweggründe mir genauso wenig bekannt sind?

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Veröffentlicht in Gedankenwolke

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